Wo die wilden Pilze wohnen

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Wenn im Herbst auf eine Reihe von Regentagen ein schöner, sonniger folgt, dann ist der Zeitpunkt richtig, um im Wald auf ‚Pilz-Safari‘ zu gehen – sei es um schöne Fotos zu machen und nur ganz nebenbei ein paar Steinpilze für’s Abendessen einzusacken, oder um sich einen richtigen Wintervorrat anzulegen, der dann eingelegt, eingekocht und eingefroren werden soll.

Während für’s Fotoschießen Grundkenntnisse der Mykologie relativ irrelevant sind, sollte man wenn man Pilze zum Essen sammeln will neben einem Körbchen und einem scharfen Messer unbedingt ein Buch – oder wahlweise einen Menschen – das oder der sich mit Pilzen auskennt dabei haben. Letzteren hatten meine Mitbewohnerin und ich dabei, als wir diese Woche – für mich zum ersten Mal – auf die Jagd nach Pilzen gegangen sind. Dabei habe ich eine Menge gelernt, das ich an dieser Stelle – neben einer Auswahl meiner Fotos, die hoffentlich die ‚Märchenhaftigkeit‘ des Abenteuers Pilzsuche herüberbringen – natürlich gerne teilen möchte.

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Anfänger-Tipps für’s Pilze Sammeln:

  • Tragt bequeme, wasserfeste (!) Schuhe und auch wenn es sonnig ist eine warme Jacke – im Schatten der Bäume kann es selbst im ‚goldenen Oktober‘ recht frostig werden.
  • Als Anfänger beschränkt man sich bei der Suche am besten auf eine oder zwei leicht identifizierbare Pilz-Arten, um die Gefahr so gering wie möglich zu halten, dass ein Giftpilz oder zumindest ein ungenießbarer Pilz, der einem den Rest der gesammelten Pilze verdirbt, im Körbchen landet. Zwei anfängertaugliche Arten, die wir diese Woche gesammelt haben, stelle ich unten vor.
  • An Ausrüstung sind lediglich ein Korb und ein scharfes Messer nötig. Mit dem Messer werden die Pilze am Stängel abgeschnitten – die ‚Wurzeln‘ (Mykorrhiza) der Pilze bleiben im Boden, damit der Pilz wieder neu nachwachsen kann.
  • Die gesammelten Pilze am besten direkt vor Ort an mehreren Stellen anschneiden, um zu überprüfen, dass sich nicht bereits Insekten darin eingenistet haben (dunkle ‚Pünktchen‘ im Pilz-Fleisch deuten darauf hin), denn die wollen wir natürlich nicht mitessen. Ist nur ein Teil des Pilzes befallen, kann man den ’sauberen‘ Teil bedenkenlos mitnehmen, der Rest bleibt im Wald. Hat der Pilz nur ein paar (von Schnecken oder größeren Tieren) ‚angenagte‘ Stellen, ist das für den Menschen nicht weiter bedenklich.
  • Ein Pilz kommt selten allein. Wenn ihr einen Speisepilz gefunden habt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich weitere ‚Familienmitglieder‘ in der unmittelbaren Nähe befinden. Als besonders ertragreiche Stellen haben sich bei unserer Suche der Fuß von Bäumen sowie feuchte Gräben im Waldboden erwiesen.
  • Setzt euch ein Limit, wie viel ihr mitnehmen wollt. Unsere ‚Sammler-Instinkte‘ gepaart mit der Freude darüber, auch als Anfänger schon Erfolg bei der Pilzsuche zu haben, verleiten schnell dazu, dass man mehr Pilze nach Hause mitnimmt, als man Einmachgläschen und Platz in der Tiefkühltruhe hat…

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Wenn ihr also entsprechend ‚bewaffnet‘ in den Wald loszieht, dann gibt es zwei Pilze, die man auch als ‚Newbie‘ schon prima erkennen kann und die ich euch an dieser Stelle zeigen möchte.

Den Steinpilz (vor allem links im Körbchen zu sehen) kennen die meisten zumindest aus dem Supermarkt. Er gehört zu den begehrtesten Speisepilzen und kann sogar roh gegessen werden (unser Pilz-Mensch hat aber empfohlen, selbst gesammelte Pilze generell immer abzukochen oder zumindest zu braten, weil man ja nie weiß, mit was sie im Wald so alles in Kontakt gekommen sind…). Je nach Alter kann er verschieden aussehen, das Hütchen ist bei jungen Pilzen hellbraun und kugelig, bei älteren hat es ein dunkleres braun und ist flacher. In jedem Fall befindet sich unter dem Hütchen ein Schwamm-artiges Röhren-/Poren-Gewebe und keine Lamellen! Die Poren haben wiederum je nach Alter des Pilzes verschiedene Farbabstufungen – bei sehr jungen Pilzen weißlich bis zart gelb, bei älteren intensiv gelb bis hin zu dunklem Olivgrün. Der Stängel ist bei jungen Pilzen im Verhältnis zum Hütchen noch sehr kräftig, wird bei älteren aber häufig schlanker. Vom Steinpilz lassen sich mit etwas Glück enorm große Exemplare finden, wie mein ‚Anglerfoto‘ am Ende des Beitrages beweist. 😉 Wer einen (sehr leicht zu erkennenden) Fliegenpilz im Wald sieht, der sollte sich übrigens unbedingt nochmal genauer umschauen, da die beiden Pilzarten häufig ‚Nachbarn‘ sind.

Verwechslungsgefahr besteht solange man stets darauf achtet, dass der Pilz Poren und keine Lamellen hat, im Grunde nur mit anderen ebenfalls essbaren Röhrenpilz-Arten wie dem rothütigen Steinpilz und dem Maronenröhrling. Die einzige tatsächlich bedenkliche Verwechslung wäre die mit dem ungenießbaren Gallenröhrling, den man aber dadurch identifizieren kann, dass die Poren farblich statt nach Gelb/Grün nach Rosa/Rot tendieren, auch angeschnittene/verletzte Stellen sich rosa verfärben und der Stil nicht weiß, sondern gelblich oder grünlich ist.

Ein weiterer geeigneter Anfängerpilz ist der Rotfußröhrling (zu sehen in der rechten Hälfte des Körbchens), den man, wie der Name schon sagt, sehr leicht an seinem rötlichen Stil und sich rötlich verfärbenden Schnitt- und Fraßstellen erkennt. Als Mitglied der Röhrlings-Familie hat er, wie der Steinpilz, unter seinem braunen Hut ein ‚Schwämmchen‘-Gewebe, das im Falle des Rotfußröhrlings intensiv gelb ist. Auch das Fleisch ist gelb, an Schnitt- und Bruchstellen kann es sich bläulich verfärben. Der Rotfußröhrling bleibt i.d.R. eher klein, mit einer Hutbreite von maximal 8cm und einer Stilhöhe von maximal 6cm.

Verwechslungsgefahr besteht im Grunde nur mit der Ziegenlippe, die sehr ähnlich aussieht, aber sich nicht rötlich verfärbt. Auch die Ziegenlippe ist ein guter Speisepilz. Wenn man sehr unaufmerksam ist, könnte man den Pilz eventuell noch mit dem Hexenröhrling (der aber größer, fleischiger und zumindest im Alter intensiv blutrot gefärbt ist) verwechseln. Dieser Pilz ist zwar roh giftig, gekocht aber genißebar und wohlschmeckend, weshalb man hier solange man seine gesammelten Pilze kocht (und das sollte man beim Rotfußröhrling möglichst direkt nach der Heimkehr machen, da der Pilz einmal geerntet schnell verdirbt) auf der sicheren Seite ist.

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Hier seht ihr mich mit einem Prachtexemplar von einem Steinpilz – das nennt man dann wohl Anfängerglück, das ich hiermit allen, die sich auch mal an der Pilzsuche versuchen möchten, ebenfalls wünsche!

Allons-y und do the simple shit,

♡ MEZZO

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3 Gedanken zu “Wo die wilden Pilze wohnen

    1. Danke, danke! 🙂 Ich hab’s mir auch immer sehr kompliziert vorgestellt, ist es aber eigentlich gar nicht, insbesondere wenn man sich an einfach zu erkennende „Anfänger-Pilze“ wie die beiden vorgestellten hält. Einfach mal ausprobieren!

      Gefällt 1 Person

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